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Stoomcarrousel


Das Stoomcarrousel (dt. Dampfkarussell) ist ein prachtvolles Salonkarussell, das 1956 einen Platz in Efteling gefunden hat. Konstruiert wurde es ab 1895 vom Schausteller Hendrik Janvier (1868-1932).

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Daten und Fakten

TypKarussell
BereichMarerijk
Eröffnungum 1900
im Park seitMai 1956
HerstellerHendrik Janvier
Hersteller OrgelAnselmo Gavioli
Kosten des Erwerbs15.475 NLG

Wusstest du, dass...

  • dieses sogenannte Dampfkarussell bereits seit 1944 elektrisch angetrieben wird? Gleichwohl ist die alte Dampfmaschine erhalten geblieben.
  • die Orgel eine von fünf noch übrig gebliebenen Gavioli-Orgeln ist?
  • in den Anfangsjahren des Karussells in Efteling aus nostalgischen Gründen ein Eintrittspreis von 5 Cent verlangt wurde?

Historie - Vom Kirmesplatz nach Efteling

Das Salonkarussell noch zu Kirmeszeiten.

Das Stoomcarrousel weist unter den Efteling-Attraktion sicherlich eine der außergewöhnlichsten Entstehungsgeschichten vor, denn bevor es 1956 im Park aufgebaut wurde, war es jahrzehntelang im Besitz der Schaustellerfamilie Janvier, die damit über die Kirmesplätze der Niederlande reiste. Darüber hinaus ist das Karussell ein echtes Unikat: Als Hendrik Janvier 1895 erste Komponenten dafür erstand, gab es noch keine Lieferanten vollständiger Salonkarussells. Stattdessen musste jeder Bestandteil einzeln ausgewählt und erworben werden.

Ganz verschiedene Künstler und Handwerker beteiligten sich so letztlich mit ihren Arbeiten am Stoomcarrousel – und das noch nicht einmal zu einem festen Zeitpunkt, sondern über die Jahre verstreut. Heute ist es teilweise gar nicht mehr genau nachvollziehbar, wann welches Einzelteil zur Attraktion hinzugefügt wurde. Auch wann genau das Karussell in den Kirmesbetrieb startete, ist nicht verbrieft. In der Efteling-Chronik „Kroniek van een Sprookje“ ist von einem Start um das Jahr 1900 die Rede, es gibt allerdings auch Gegenstimmen: In Geoff Weedons und Richard Wards Buch „Fairground Art“ heißt es etwa, bei Eftelings Salonkarussell handele es sich um eine Zusammenstellung aus verschiedenen älteren Karussells, die Laurens Janvier vorgenommen habe. Laurens war der Sohn von Hendrik Janvier, der das Salonkarussell nach anderen Quellen 1919 bei seiner Hochzeit von seinem Vater geschenkt bekam. Dies sei demnach eine Tradition gewesen, die Hendrik Janvier auch bei den Hochzeiten zumindest einiger von Laurens Janviers zehn Geschwistern angewandt haben soll.

Anton Pieck war ab 1956 für die Instandhaltung des Karussells verantwortlich.

Die Hintergründe des Besitzerwechsels von Laurens Janvier zu Efteling sind etwas besser bekannt, als die nicht so recht zu greifende Enstehungsgeschichte des Stoomcarrousels: Die Rundreisen des Karussells endeten 1953. Lange hatte die Familie Janvier das Karussell erfolgreich betreiben können, doch ab den 1950er-Jahren blieb der Erfolg nach und nach aus. Inzwischen interessierten sich nur noch Familien mit kleineren Kindern für das damals schon klassische Fahrgeschäft, dem zunehmend von actionreicheren Attraktionen der Rang abgelaufen wurde. So entschied sich die Familie für den Verkauf des lieb gewonnenen Fahrgeschäfts - im Ganzen, damit es nicht verloren gehen würde. Ende 1955 schließlich war mit Efteling ein Käufer gefunden, 1956 wurde es dort noch von der Familie Janvier selbst aufgebaut. In Efteling kümmerte sich dann Anton Pieck sehr intensiv um die Attraktion und veränderte auch Details. Schon als Kind soll er die Attraktion auf der Kirmes von Den Helder gefahren haben.

Attraktionserlebnis

Das Salonkarussell steht ganz in der Nähe des Ein- und Ausgangs zum Sprookjesbos im Marerijk. Es ist seit den frühen 1970er-Jahren in einen Gebäudekomplex mit dem Namen Carrouselpaleis eingebunden: Die Miniaturwelt Diorama sowie die inzwischen nur noch für Veranstaltungen genutzten Säle der Wasserorgel und des Viktorianischen Theaters befinden sich im selben Gebäude.

Karusselfront

Die Front des Karussels, die von der gesamten Front des Carrouselpaleis zu unterscheiden ist, ist eine der ältesten Bestandteile des Salonkarussells und wurde 1895 von Hendrik Janvier erworben. Ursprünglich gehörte sie zu einem reisenden Kino von Eduard Weidauer. Die im Grundton beige Front ist reich verziert und macht einen festlichen Eindruck. Ornamente, Lichter und Spiegel, aber auch einige Gemälde sind dort angebracht.

Die Karussellfront in der Frontalansicht

Die beiden größten der Gemälde sind auf niedriger Höhe rechts und links vom mittigen Eingang platziert und zeigen ein Pferdegespann auf einer Straße sowie eine Ausflugsgemeinschaft von Frauen. Sie kamen erst zu Beginn der 1960er-Jahre zum Karussell hinzu und stammen von einem Dampfkarussell von Gouke Sipkema. Auf zwei runden Gemälden weiter oben ist jeweils ein Liebespaar abgebildet, darüber hinaus gibt es mehrere zweifarbige Darstellungen von teilweise musizierenden Engeln. Es ist bekannt, dass wahrscheinlich einige der Gemälde der Front vom Maler Andreas Giezen (1891-1947) stammen, mit dem die Janvier-Familie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Heirat seiner Schwester mit einem Janvier-Bruder in Kontakt kam.

Der Eingang zum Karussellsalon.

Sehr markant ist der Eingang zum Karussellraum, der von zwei Säulen mit Frauenfiguren flankiert ist. Im Vergleich zur Front ist er nach hinten versetzt, sodass sich dort ein Unterstand befindet. Die beiden Eingangstüren befinden sich an den Seiten dieses Unterstands, dazwischen liegt das mittlerweile nicht mehr genutzte Kassenhäuschen. Über dem Eingang ist der Schriftzug „Carrouselpaleis“ angebracht, wiederum darüber steht auf einem Vorsprung eine Quadriga, also die plastische Darstellung eines Vierergespanns, wobei hier der sonst übliche Streitwagen fehlt. Sowohl die Quadriga als auch der Schriftzug stammen aus der Efteling-Zeit der Attraktion. Früher lautete der Schriftzug „Janviers Stoomcarrousel“. Zunächt wurde daraus „Eftelings Stoomcarrousel“ und zu Beginn der 1970er-Jahre „Carrouselpaleis“. Die Quadriga wurde in den frühen 1960er-Jahren zum Karussel hinzugefügt und setzt sich aus einer Frauenfigur von einem reisenden Kino von Anton Benner und Pferden vom ältesten Dampfkarussell der Niederlande zusammen, dass der Witwe Schildmeyer gehörte.

Weit außen vor der Front stehen links und rechts jeweils zwei weitere Frauenfiguren. Die beiden größeren, jeweils näher am Eingang stehenden Figuren stellen ägyptische Prinzessinen dar und stammen vom Salonkarussell von Gouke Sipkema. Die beiden anderen, weiter entfernten und kleineren Figuren sind flügellose Engel und stammen von Louis Vinckens Salonkarussell. Alle vier Figuren halten eine Girlande in ihren Händen.

Salon

Im Salon sind die Farben im Vergleich zur Front etwas wärmer gehalten: Hier dominieren die Rottöne, beispielsweise an den Säulen und den Decken aus rotem Stoff, deren Bemalungen den Quellen nach aus dem Atelier von Charles Devos stammen. Der hauptsächliche Baustoff ist Holz. An den Wänden sind eine Vielzahl verschiedener Gemälde angebracht, die erneut von Andreas Giezen stammen. Kleine Birnen (seit 2014: LED) sind überall befestigt und lassen den Raum erstrahlen. In der Mitte des Salons steht das Karussell, das mit Geländern vom Rest des Salons abgegrenzt ist. Im übrigen Raum sind Stühle und Tische aufgebaut, die es schon zu der Kirmeszeit der Attraktion gab, genauso wie auch eine kleine Bar in der linken Hälfte der Bestuhlung.

Karussell

Beim Karussell handelt es sich um ein sogenanntes Bodenkarussell, einem ein-etagigen Karusselltyp, bei dem verschiedene Figuren auf einer Plattform platziert sind. Die Plattform kann über einige Stufenaufgänge erreicht werden. In der nicht zugänglichen Mitte des Karussells stehen die alte, nicht mehr als solche genutzte Dampfmaschine sowie eine Karussellorgel. Ausgehend von der Dampfmaschine beginnt die Karussellkrone, die in Form eines sehr breiten Säulenendes das Karussell mit der roten Stoffdecke verbindet.

Besatzung

Auf der Plattform sind insgesamt 22 Pferde, 2 Schweine mit rücklings aufsitzenden Clowns, 2 Gondeln und 2 Kutschen montiert. Die 22 Pferde stammen vom Hersteller Josef Hübner, der seinen Sitz in Neustadt an der Orla im heutigen Bundesland Thüringen hatte. Die beiden Schweine mit den Clowns stammen vom Hersteller Carl Müller, der seinen Sitz ganz in der Nähe von Neustadt in Molbitz hatte. Die Gondeln und Kutschen hat Jules Moulinas aus dem belgischen Gent hergestellt. Der Hersteller der Pferde, Hübner, übernahm die Werkstatt seines vormaligen Chefs Alfred Poeppig erst 1909, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Pferde nicht schon zum Karussell kamen, als Hendrik Janvier 1895 die ersten Komponenten erwarb.

Antrieb

Die alte, nicht mehr genutzte Dampfmaschine.

Einige grundsätzliche Bestandteile, nämlich die Dampfmaschine sowie das Drehwerk des Karussells, erwarb Janvier bereits 1895 von der Maschinenfabrik König in Swalmen, die unter einer Lizenz von Frederick Savage arbeitete. Der Brite Savage hatte sich 1881 einen speziellen Dampfantrieb für Karussells patentieren lassen. Wie bei Eftelings Dampfkarussell stand dabei die Dampfmaschine in der Mitte des Karussells und war zugleich der Träger der Karussellkrone. Das Drehwerk konnte Janvier nur zufälligerweise erwerben, da einer seiner Kollegen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Mit Dampf betrieben wird das Karussell übrigens bereits seit 1944 nicht mehr: Aus Sicherheitsgründen wird seit diesem Zeitpunkt ein elektrischer Antrieb genutzt. Doch die Authentizität blieb erhalten, denn die alte Dampfmaschine wurde nicht entfernt, und bewegt sich sogar, da der auf ihr aufsitzende Elektromotor in das System eingebaut wurde. Auch die Illusion der charakteristischen Flöte bei Fahrtbeginn blieb erhalten.

Orgel

In der Mitte befindet sich aber auch ein weiteres, sehr wichtiges Element des Karussells: Eine Karussellorgel vom französischen Hersteller Gavioli aus dem Jahr 1895. Das Instrument wurde ursprünglich von der belgischen Schaustellerfamilie Fogerty erworben, bevor die Familie Janvier in seinen Besitz kam. Das Besondere an der Orgel ist das spezielle System, das 1892, also kurz vor dem Baujahr der Orgel, von Gavioli als Patent angemeldet wurde. Bis dahin hatten automatische Orgeln lediglich über Zylinder Stücke abspielen können, auf die (je nach Größe) nur einzelne Stücke passten. Für ein anderes Lied musste die Walze also gewechselt werden. Das neue Systeme setzte hingegen auf Faltkarton als Speichermedien. Mittels kleiner Löcher können hierin eine Vielzahl von Stücken mit ihren Orchestrierungen einprogrammiert werden. 

Das Orgelprospekt.

Während Faltkartonlösungen schon zuvor schon im Bereich von anderen Musikautomaten eingesetzt wurden, war insbesondere das Auslesesystem die wahre Innovation. Damals wurde hierzu wahrscheinlich eine Tastenmechanik genutzt: Tasten schnellten immer nach oben, wenn auf dem vorbeiziehenden Faltkarton ein Loch auftauchte. Dadurch wurde eine Pneumatik in Gang gesetzt, die letztlich dafür sorgt, dass ein entsprechender Luftstrom die aktivierte Pfeife erreicht. Ausführungen des Restaurators Pluer scheinen nahezulegenden, dass zwischenzeitlich auch eine tastenlose Mechanik bei der Gavioli-Orgel Einsatz kam. Hierbei wird über Rohre, die sich direkt unter dem vorbeiziehenden Faltkarton befinden, Luftdruck aufgebaut. Taucht ein Loch im Faltkarton auf, kann die Luft entweichen und eine pneumatische Reaktion wird in Gang gesetzt. Obwohl der letzte Nachweis hierfür fehlt, wird heute aber vermutlich wieder eine Tastenmechanik eingesetzt.

Der Faltkartonkasten.

Die Orgel ist mit dem Zusatz „87 Tasten“ versehen. Damit ist die Anzahl aller Töne und Geräusche gemeint, die mit der Orgel gespielt werden können. Ein Großteil wird dabei sicherlich von den klassischen Orgelregistern, also verschiedene Gruppen ähnlich klingender Pfeifen, stammen. Es gibt aber auch besondere zusätzliche Instrumente, wie etwa ein kleines Metallophon, zwei Trommeln und ein Becken, die ebenso zum Einsatz kommen. Die Orgel spielt ein breites Repertoire von Stücken. Darunter sind sowohl klassisch-traditionelle als auch neuere Stücke. Beispielsweise hört man den Charleston, den von Monty Python bekannten Liberty Bell March und den Großen Gavioli-Marsch.

Fahrt

An der Vorderseite kann man sich für eine Fahrt auf dem Stoomcarrousel anstellen und sich nach freier Wahl auf eine der Figuren setzen. Sobald alle sitzen; beginnt die Fahrt mit einem lauten Pfeifton. Während der Fahrt vollführen die Pferde und Schweine Bewegungen wie beim Reiten, während die Kutschen eher hin und her schaukeln. Zudem spielt die Gavioli-Orgel ihre Melodien, was natürlich entscheidend zur Atmosphäre beiträgt. Nach 2 Minuten ist die Fahrt vorbei.

Renovierungen in Efteling

Auch das Stoomcarrousel benötigt selbstverständlich in regelmäßigen Abständen Renovierungen. Die letzten großen Arbeiten fanden im Jahr 2014 statt, als alle Pferde, Kutschen, Holzarbeiten und Gemälde überholt wurden. Zudem wurden alle Glühlampen durch LED-Lampen ersetzt. Bei einer großen Renovierung 1987 wurde die Gelegenheit genutzt, um Tonaufnahmen von der Gavioli-Orgel anzufertigen.

Literatur

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Dering, Florian (1986). Volksbelustigungen: Eine bildreiche Kulturgeschichte von den Fahr-, Belustigungs- und Geschicklichkeitsgeschäften der Schausteller vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Nördlingen: Greno.

Diepstraten, Henk van den (2002). De Efteling: Kroniek van een Sprookje. Baarn: Tirion.

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Ramus, Margit (2013). Kulturgut Volksfest: Architektur und Dekoration im Schaustellergewerbe. Köln: Bachem.

van Oost, Hans (2006). The Rise, Blossom and Fall of the Gavioli Factory. Carousel Organ. Abrufbar unter Link, zuletzt abgerufen am 20. August 2016. 

Veeningen, Marc (2014). Orgelsprookjes van De Efteling: Populairste attractiepark van Nederland geeft orgels een groot publiek. Abrufbar unter Link, zuletzt abgerufen am 1. September 2016.

Venmans, Bob (1962). Het sprookje van de Efteling. Amsterdam & Brüssel: Elsevier.

Weedon, Geoff & Ward, Richard (2003). Fairground Art: The art forms of travelling fairs, carousels and carnival midways. London: New Cavendish books.

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